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Historie

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Der Schützenverein Leer-Dorf blickt auf eine sehr lange Tradition zurück. 1976 feierte er sein 350-jähriges Bestehen, wobei das genaue Gründungsjahr nicht eindeutig bestimmt werden kann, da keine frühen schriftlichen Nachweise existieren. Das älteste überlieferte Dokument stammt aus dem Jahr 1764. König Caspar Flodsting übergab eine silberne Kette mit einem Vogel und 47 Silberschildern. Da Schützenfeste nicht jedes Jahr stattfanden und man später mit durchschnittlichen Abständen rechnete, wurde rückwirkend ein Gründungsjahr um 1626 angenommen. Historisch betrachtet dürfte der Ursprung des Vereins aber eher im Dreißigjährigen Krieg liegen.

 

Bereits 1587–1593 taucht das Schützenwesen in Leer im Zusammenhang mit einem Prozess vor dem Hofgericht in Münster auf. Es ging um Grenzstreitigkeiten zwischen Bewohnern der Bauerschaften Borg­horst, Horstmar und Leer. In diesen Akten wird eine „Schütten Rhoden vor Leer“ erwähnt – ein klarer Hinweis, dass es in Leer schon vor 1600 eine organisierte Schützengruppe gab. Zahlreiche Zeugen sagten aus und berichteten über Wege, Felder, alte Grenzen und auch über die Johannes-Tracht (eine Prozession, bei der Heiligenfiguren von Leer in umliegenden Kirchen gezeigt wurden).

 

Zeugen aus der Region schilderten detailliert, welche Wege als „Heiligenwege“ genutzt wurden. Sie nannten Feldbezeichnungen, Hufen, Hofstellen und erklärten, dass bestimmte Grenzlinien traditionell von den Leerschen Schützen benutzt wurden. Diese Aussagen zeigen, wie sehr das Schützenwesen mit der Organisation des dörflichen Lebens und mit der Verteidigung wichtiger Gebiete verknüpft war. Eine vom Maler Dietrich Moll angefertigte Karte, die den Grenzverlauf darstellen sollte, ging später verloren.

 

Die Prozessunterlagen belegen außerdem die enge Verbindung zwischen dem Dorf Leer und der benachbarten Bauerschaft Ostendorf – beide nutzten vermutlich dieselbe Schützenrute und nahmen gemeinsam an Schützentraditionen teil.

 

Betrachtet man die Geschichte des westfälischen Schützenwesens allgemein, wird deutlich, dass solche Zusammenschlüsse ursprünglich dörfliche Notgemeinschaften waren. Wehrfähige Männer schützten gemeinsam das Dorf und unterstützten sich gegenseitig in Gefahrenzeiten. Der Schützenverein Leer-Dorf ist daher aus dieser frühen Notgemeinschaft hervorgegangen und untrennbar mit der Entstehung und Entwicklung des Dorfes verbunden.

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